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Markt Willanzheim
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Details zum Hüttenheimer Dorfspaziergang

Gestatten Hiddo

Hiddo
Hiddo
Als ich mich als freier Franke mit meiner Sippe im 6. Jh. nach Chr. hier niederließ, waren für uns vor allem der fruchtbare Boden, das klare Wasser des Neuwiesenbachs und der nahe Tannenberg als Wachhügel von Bedeutung.
Wir machten diesen Ort zu unserem Zuhause und nannten ihn „Hiddo-heim“, woraus im Laufe der Jahrhunderte der heutige Name „Hüttenheim“ entstand.

Da ich als Urahn eine besondere Verantwortung für meine Nachfahren habe, wache ich seit nunmehr fast 1500 Jahren über die Geschicke meines Heimatdorfes.
Viele Veränderungen hat es seitdem gegeben, vieles musste ich lernen und vieles ließ mich erstaunen. Nicht an alle geschichtlichen Details kann ich mich noch erinnern. Dafür erzähle ich Ihnen auf unserem gemeinsamen Rundgang so manches, das in keinem Geschichtsbuch steht.

1. Marktplatz

Seit alters her ist der Marktplatz der Mittelpunkt des Dorflebens: Hier wurde Markt gehalten, zur Kirchweih verkündete der Flurer (Gemeindeknecht) den Kirchweihfrieden und zweimal im Jahr tagte unter der Linde das „Gemein Gericht“, bei dem hauptsächlich Schmach- und Scheltworte verhandelt und mit Geldbußen belegt wurden.
Das Fachwerk-Rathaus steht links neben dem Eingangstor zur Kirchenburg. An seiner nördlichen Ecke befand sich neben dem Pranger einst der sog. „Dreher“. Hatte man einen Essensdieb auf frischer Tat ertappt, so steckte man ihn in das Eisengestell und drehte ihn solange herum, bis er die Seekrankheit bekam.

Heute können Sie im Rathaus vielfältige Informationen rund um mein Dorf bekommen.
Das ehemalige Gasthaus „Zur Krone“ war ursprünglich das Schwarzenberger Amtshaus. Das Mansarddach stellt die besondere Bedeutung des Gebäudes heraus. Über der Eingangstür ist das Schwarzenberger Wappen angebracht. Die Schwarzenberger entwickelten sich im 17. Jh. zur einflussreichsten der insgesamt 7 Dorfherrschaften Hüttenheims.

Im Laufe der Zeit wurde es etwas ruhiger um unseren Marktplatz: Markt- und Gerichtstag wurden nicht mehr gehalten und der Marktbrunnen verschwand.

Bei der 1982 beschlossenen Dorferneuerung wurde der Platz umgestaltet, neu gepflastert und Bäume gepflanzt. Das Rathaus und die ehemalige Dorfschmiede wurden saniert. Heute finden auf dem Marktplatz und in der Kirchenburg übers Jahr verschiedene Veranstaltungen wie z. B. der Kirchenburgmarkt und eines der schönsten Weinfeste Frankens statt.

Und wenn ich mal Lust zum Ratschen habe, setze ich mich einfach unter die Linde und warte, bis einer meiner Nachfahren vorbeikommt.

2. Kirchenburg

Die um 1300 entstandene Kirchenburg zählt zu den größten Anlagen ihrer Art.
Im Laufe der Jahrhunderte hat sie oft ihr Aussehen verändert. Mit ihrer mächtigen Steinmauer und dem malerischen Gadenkirchhof ist sie das Schmuckstück unseres Dorfes.
An der Mauer reihen sich die Kirchhäuser oder Gaden aneinander. Sie dienten einst der Dorfbevölkerung als Lagerstätten für ihre Lebensmittel.
In Notzeiten fanden die Hüttenheimer hinter den wehrhaften Mauern Zuflucht vor Angreifern. In den großen unterirdischen Kellern lagerte der Wein. Die Kellerzugänge wurden nachträglich in den Kirchinnenhof verlegt. So entstanden die malerischen Kellerhälse mit ihren eindrucksvollen Holztoren.

Auch das Vieh wurde in Krisenzeiten in den Kirchhof gerieben. Einen guten Eindruck von der Stärke der Befestigung bekommen sie, wenn Sie durch die beiden schmalen Torgänge auf der Süd- und Ostseite gehen. Sie sind erst im
19. Jhd. entstanden.
Die Kirchenburg wurde mit Baustoffen aus der nächsten Umgebung errichtet. Hierzu zählt der Gipsstein, den Sie an seinen weißen, gewellten Schichten erkennen.
Wegen seiner Wasserlöslichkeit taugt der Gips eigentlich nur wenig als Mauerstein. Er wurde aber auch zur Herstellung von Putzen und sogar als Weinbergsdünger verwendet. In Hüttenheim wird er seit langem abgebaut.

Heute finden meine Nachfahren in dem modernen Anhydritbergwerk und Estrichwerk am Fuße des Tannenbergs Arbeit und Lohn.

3. Eichbrunnen

Der Eichbrunnen wurde 1997 in seiner jetzigen Form errichtet. Die „Stütz“ erinnert an den Eichmeister, der hier bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sein Werk verrichtete: Mit einem Eichgefäß (Urmaß) stellte er den Inhalt von Eimern, Fässern und Butten fest und bestätigte dies anschließend durch einen Stempel oder ein Schnitzzeichen.
Schließlich wollte sich beim Wein- oder Mostkauf niemand gern übers Ohr hauen lassen. Der Kochbrunnen lag früher an einem kleinen Platz in Richtung Friedhof. Hier gab es das einzige zum Kochen geeignete Wasser in ganzen Dorf. Wasserholen war eine Schwerarbeit. Mehrmals am Tag trugen die Männer das Wasser in großen Butten auf dem Rücken nach Hause.
Heute geht es da viel bequemer zu, denn seit 1952 ist Hüttenheim an die Fernwasserversorgung angeschlossen.

Dass man aus einem Hahn in der Küche oder im Bad jederzeit Trinkwasser zapfen kann, erscheint mir noch immer wie ein richtiges Wunder.

4. Mauergewächse

Auf der rechten Straßenseite wächst auf einer Mauerkrone eine prächtige Hauswurz. Dieser „fränkische Kaktus“ war früher häufig auf Torpfeilern anzutreffen. Er diente als Schutz gegen Blitzschlag und „böse Geister“. Als volkstümliche Heilmittel hielten Mauergewächse ebenso Einzug wie auf dem bäuerlichen Speisezettel, z. B. als Brotaufstrich.
Auf der Friedhofsmauer aus Kalkstein wachsen in den Fugen allerlei botanische Raritäten wie etwa Mauerpfeffer und Mauerrautenfarn.
Bitte lassen sie die Pflänzchen leben – auf dem kargen Untergrund haben sie es schon schwer genug!

Der Friedhof von Hüttenheim lag ursprünglich im Innenhof der Kirchenburg. Im 16. Jahrhundert ging man dazu über, die Toten außerhalb des Ortes zu beerdigen. Dies geschah mit Rücksicht auf die Pest und andere Seuchengefahren.

5. Bauerngärten

Hinter den Scheunen erstrecken sich ausgedehnte Gärten, die noch in alter Weise genutzt werden. Verschiedenste Gemüse, Salat, Kräuter- und Heilpflanzen gibt es ebenso zu sehen wie bunte Staudenbeete mit Iris, Brennender Liebe, Kornblume, Jungfer im Grünen, Bartnelke, Nachtkerze und Pfingstrose. Obstbäume und Beerensträucher, Komposthaufen und Kleintierställe runden das Bild ab.
Vor allem im Sommer komme ich sehr gerne hierher, um die heitere Stimmung dieses Fleckchens zu genießen und mich zu erholen.

6. Neuwiesenbach

Wenn wir zum Wasser holen zum Bach hinabliefen, mussten wir uns durch ein sumpfiges Gehölz aus Erlen und Eschen kämpfen und wurden von den Mücken halb aufgefressen.
Um sich das Leben zu erleichtern, haben meine Nachfahren die Ufer trockengelegt. Heute erinnern mich vor allem noch die hohen Schilfhalme und Kopfweiden an früher. Wir haben damals das Schilf geschnitten und zum Dachdecken verwendet. Aus den Weiden flochten wir Körbe. Man verwendete die Weiden auch zum Anbinden der Rebstöcke.

7. Ehemalige Burg

Auf der dorfabgewandten Seite des Neuwiesenbachs lag einst eine Burg des Deutschherrenordens. Heute ist nur noch ein Teil des Burggrabens erhalten: eine mit Obstbäumen bestandene Geländemulde, die Sie flurwärts auf der rechten Seite erkennen können.
Albertus von Hüttenheim war ein Lehensmann und Vasall des Bischofs von Würzburg. 1213 errichtete er hier die erste Niederlassung des Deutschen Ordens in Franken. Zur Burg gehörten das Ordenshaus, ein Hospital und eine Kapelle. Der Flurname „Kapell“ weist heute noch auf das ehemalige Gotteshaus hin.

Wie könnte ich jemals das bunte Treiben vergessen, das hier damals herrschte?
Zuerst der Bau der Burg ihrem tiefen Graben; dann das Kommen und gehen der Ritter; schließlich die schweren Fuhrwerke, auf denen unablässig Getreidesäcke und sonstige Abgaben der zinspflichtigen Untertanen herbeigeschafft wurden.

Nach Überweisung der Komturei zum Ordenshaus Nürnberg fand dieser Trubel ein Ende. 1680 verkaufte der Deutsche Orden das Vogteiamt Hüttenheim an das Haus Schwarzenberg. Die Anlage verlor an Bedeutung und verfiel im Laufe der Zeit.

Wenn ich heute über die friedlich daliegenden Äcker und Weinberge hinauf zum Tannenberg blicke, glaube ich fast, dass ich alles nur geträumt habe.

8. Fränkische Hofanlagen

Die kleinen, typischen fränkischen Hofstellen in dieser Straße sind durch einen L- oder U-förmigen Grundriss gekennzeichnet. Er entsteht durch die regelmäßige Anordnung von Wohnhaus, Scheune und Nebengebäuden.
Der für unser Dorf charakteristische Häckerbauernhof besitzt nur kleine Nebengebäude. Oft handelt es sich dabei um Schweinekoben. Großer Wert wird auf die Kelleranlage gelegt.
Zahlreiche schmucke Winzerbetriebe prägen heute das Dorfbild. Böse Zungen haben gelegentlich behauptet, dass die Beengtheit der fränkischen Höfe der Wesensart und Denkweise ihrer Bewohner entsprechen würde. Dies kann ich als altgedienter Hüttenheimer nur energisch bestreiten.

9. Straßengestaltung

Die vor uns hangaufwärts führende Straße hat in den letzten Jahrhunderten mehrmals ihr Aussehen verändert. Zuerst war sie den Menschen, dem Vieh und den wenigen Fuhrwerken der Bauern vorbehalten. Dann wurde die Straße für den motorisierten Verkehr betoniert.
Nach der Dorferneuerung präsentiert sich die Straße heute mit mit viel Grün.

10. Ebracher Hof

Der ehemalige Ebracher Schultheißenhof ist ein stattlicher zweigeschossiger Bau mit Walmdach. Die auffälligen Torpfeiler aus Sandstein wurden 1774 angefertigt. Der mittlere Torpfeiler zeigt ein Ebracher Wappen und erinnert damit an eine der bedeutenden Hüttenheimer Dorfherschaften.
In den malerischen Innenhof dürfen Sie ruhig mal einen Blick werfen. Er wurde im Rahmen der Dorferneuerung als private Maßnahme unter Verwendung traditioneller Baustoffe restauriert. Als Hofbaum dient eine Linde.

11. Ehemalige Synagoge

Die Synagoge wurde 1754 im Barockstil erbaut. Sie befindet sich heute in Privatbesitz. Der Synagoge vorgelagert sind das Vorsängerhaus und die ehemalige Mikwe, das Ritualbad. Nebenan befand sich eine jüdische Schule.

Die jüdischen Gemeinde erlebte ihre Blütezeit unter der Schutzherrschaft der Schwarzenberger  vom 15. - 19. Jh. . Die hiesige Judengemeinde war eine der größten im Landkreis und umfasste in der ersten Hälfte des 19. Jh. bis zu 173 Mitglieder. Ab 1818 wurden die toten auf dem Judenfriedhof am Tannenberg bestattet. Wie viele der anderen Dorfbewohner waren auch die jüdischen Familien überwiegend arm. Später wanderte ein Großteil der Juden in nahegelegene Kleinstädte wie Marktbreit oder Kitzingen, aber auch nach Amerika, aus. 1930 gab es noch 10 jüdische Haushaltungen. 1942 wurden die letzten Hüttenheimer Juden deportiert.

12. Katholische Kirche

Dass ein Dorf von der Größe Hüttenheims zwei Kirchen besitzt, kommt nur selten vor.
Seit der Reformation wechselte die damals einzige Kirche in der Kirchenburg mehrfach die Konfession.
1721 erlangten die Hüttenheimer Prostestanten das „Simultaneum“, das heißt, ihnen wurde ein Mitbenutzungsrecht an der damals katholischen Ortskirche zugebilligt und ein eigener Pfarrer zugewiesen.
Trotz mancher Reibereien konnte dieser Zustand immerhin 175 Jahre lang aufrechterhalten werden.

Ich muss gestehen, dass mich die konfessionellen Streitigkeiten immer ein wenig beeindruckt haben. Das erinnert mich daran, dass wir ja damals auch schon vom christlichen Glauben beeinflusst wurden. Unseren Friedhof hat man übrigens bei Bauarbeiten entdeckt und ausgegraben.

1897 wurde dann die Katholische Kirche St. Johannes Baptista nach zweijähriger Bauzeit fertiggestellt. Sie gilt heute als eine der stilreinsten neugotischen Kirchen in Bayern.

Sehenswert ist die im Zeitraum 1480 – 1500 entstandene Madonna im Marienaltar der Kirche, die sich wohl ursprünglich in der Deutschherrenkapelle befand.
Ich muss gestehen, dass mich die konfessionellen Streitigkeiten ein wenig beeindruckt haben. Das soll aber nicht heißen, dass wir Gründer von Hüttenheim keinen Glauben hatten:
Um die Geister unserer Toten überwachen zu können, bestatteten wir sie in Sichtweite unserer Häuser. Außerdem gaben wir ihnen auf ihrer Reise ins Jenseits verschiedenste nützliche Dinge mit, so z. B. ihre Waffen, eine Münze oder auch etwas Wegzehrung.

Einladung

Heute sind der Zwiebelturm der evangelischen Kirche und der Spitzturm der katholischen Kirche aus dem Ortsbild nicht mehr wegzudenken. Sie sind ebenso zum Wahrzeichen Hüttenheims geworden wie unser Wein, der auf dem Tannenberg über den Dorf wächst.
 
Und wenn Sie mich - Hiddo, Urahn aller Hüttenheimer und Ihr fachkundiger Wegbegleiter - fragen, so war mir der Wein schon immer die liebste Dorfherrschaft von allen.

Haben Sie nicht Lust, unseren Spaziergang bei einem Glas Wein oder bei einer herzhaften Brotzeit in gebührender Weise ausklingen zu lassen?

Zahlreiche Winzer, Direktvermarkter und Gastronomiebetriebe freuen sich auf Ihren Besuch. Geführte Spaziergänge durch Hüttenheim, durch die Weinberge und Busbegleitungen werden Ihnen gerne vermittelt:
Gäste Information Tel.: 09326-97 893 97 und per E-Mail » E-Mail-Formular öffnen.
Auf Wiedersehen in Hüttenheim

Ihr Hiddo

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